Waizenbach

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Mit 254 Einwohner ist Waizenbach einer der kleinsten Orte in der Gemeinde. Schon in früherer Zeit stand Waizenbach unter starkem Einfluss verschiedener Adelsgeschlechter und auch heute noch sind  viele Anwesen, wie z.B. das Schloss im Besitz des Adeligen Damenstifts unter der Verwaltung des Freiherrn von Truchseß zu Wetzhausen.

 

Name:
Um 1700 standen hier nur neun Höfe. Damals hieß der Ort „Neun Höfe“, später   „Wit zum Bach“ bzw. „Weitzenbach“ und heute „Waizenbach“.
 

Lage:
Waizenbach liegt im Tal des Waizenbaches, einem Zufluss zur Fränkischen Saale.
(330 m ü.d.M.).Der Ort liegt an der Staatsstraße 2302 (Gemünden – B 27)
 

Einwohner:
300 Einwohner, überwiegend evangelisch, nach dem Krieg (1945) zugezogene sudetendeutsche Flüchtlinge, zum größten Teil wieder abgewandert, da passende Arbeitsplätze fehlten. 1998 waren es 278 , am 10.01.2001   275 Einwohner.
 

Gemeindeflur:
Insgesamt 751 ha, davon 483 ha Feld und Wiese, 148 ha Gemeindewald und 120 ha Wald des Damenstiftes.
 

Geschichtliches:
Waizenbach ist eine sehr alte Siedlung. 777 schenkte Karl der Große das Dorf dem Kloster Fulda. 815 gelangte es durch Tausch an die Freiherrn von Thüngen. Der Ortsteil wird 1155 als „Wizenbach“ erstmals urkundlich erwähnt. Als Landesherren werden um 1431 in einem Ganerbenvertrag bereits Vertreter der Familie Freiherren von Thüngen zu Waitzenbach genannt. Kirchlich wurde Waizenbach damals von der Urpfarrei Wolfsmünster betreut. Das „Amtshaus“ in Waizenbach als Teil des damaligen Thüngen’schen Adelsgutes stammt aus dem Jahre 1559. Dietz von Thüngen und seine Frau Agatha von Seckendorf erbauten 1570 das Wasserschloss aus Buntsandstein. Es stand durch eine Zugbrücke mit der Straße in Verbindung. Von einem Keller aus führte ein unterirdischer Gang auf die Straße nach Wartmannsroth, der jetzt zum Teil verschüttet ist. Die achtseitigen Ecktürme wurden allerdings erst  zur Barockzeit angefügt.

Die Familie von Thüngen war auch um das Wohl der Bauern sehr besorgt. So wird schon um 1400 eine Schule im Ort erwähnt. Die heutige Schule, um 1570 errichtet, diente damals als Verwaltungsgebäude. Das mit Lorbeer umrahmte Wappen über dem Eingang gibt davon Zeugnis. Die hier untergebrachte Volksschule wurde 1960 von 32 evangelischen und 7 katholischen Kindern besucht.

1629 kaufte der Obrist Wolf Dietrich Truchseß von Wetzhausen als Gemahl der Christine Barbara von Thüngen das Gut Waizenbach von seiner verwitweten Schwägerin Gertraud von Thüngen für 21.240 fl . (Gulden). Nach seinem Tode entwickelt sich zwischen seinen beiden Töchtern ein Erbstreit , der über mehrere Jahrzehnte mit wechselnden Prozessparteien lief und der schließlich erst im Jahre 1732 durch eine Einigung mit dem Juliusspital in Würzburg, als letztem Prozessgegner, vor dem Reichskammergericht zu Gunsten der Enkelin des Erwerbers Magdalena Regina Truchseß von Wetzhausen, geb. von Jöstelberg entschieden wurde. Diese richtete für die unverheirateten, evangelischen Töchter der ihr verwandten Familien Truchseß von Wetzhausen und von Stetten, und darüber hinaus für Töchter der Familien der Fränkischen Ritterschaft in Waizenbach ein Damenstift ein. Die dort in frommer Hausgemeinschaft lebenden Stiftsdamen unterstanden einer aus ihrem Kreis gewählten Pröpstin und führten einen gemeinsamen Haushalt.  Am  15. April 1883 wurde dieser Stiftungshaushalt aufgelöst, die Damen verließen Waizenbach. Das Schloß verfiel zusehends und diente im Ersten Weltkrieg französischen Kriegsgefangenen als Unterkunft, später war u.a. der Reichsarbeitsdienst dort untergebracht. Am 5. April 1945 wurden das Schloß, die Kirche und mehrere Gebäude in Waizenbach durch Fliegerangriff schwer beschädigt. Nach ersten Sicherungsmaßnahmen nach dem Krieg und dem Wiederaufbau der Kirche ist das Schloß in den Jahren 2001/02 und 2012 restauriert worden und wird heute von verschiedenen Mietern genutzt. Die Stiftung, deren Vermögen neben den Gebäuden i. W. aus land- und forstwirtschaftlichen Flächen besteht, stand nahezu zweihundert Jahre bis zum Jahr 1997 unter der Verwaltung der Krone Bayerns/Freistaat Bayerns und wird seither von einem Vertreter der Stifterfamilie (Michael Frhr. Truchseß) verwaltet.

Ein anderer größerer Besitz in der Nähe Waizenbachs war der Besenstielshof. Er lag südlich  von Waizenbach, rechts der Straße die nach Diebach führte. Auch dieser Hof war ursprünglich thüngensches Eigentum. Er kam dann in den Besitz des Thulbaer Probstes von Calenberg, der ihn wiederum an seinen Schwager Wilhelm von Gelsa weitergab. In den Zeiten des 30-jährigen Krieges zerfielen die Gebäude und die Felder verödeten. Der Hof verlor an Wert, da verkaufte ihn Wilhelm von Gelsa an die Gemeinde Morlesau um 350 Gulden. Morlesau besitzt heute noch die wertvollsten Grundstücke, die meistens aus Kiefern- und Fichtenhochwald bestehen. In Waizenbach erinnert nur noch der Name Besenstiel, den die am Wald gelegenen Feldgemarkungen führen, an den früheren Besitz.

Es gab auch zwei Mühlen, die mit Waizenbach in Verbindung standen. Zum einen die Waizenbacher Mühle, die am linken Ufer des Waizenbachs unterhalb der Seemühle lag und noch vor 50 Jahren bestand. Desweiteren die Mautersmühle, die auf der rechten Seite des Waizenbachs an der Straße nach Dittlofsroda lag. Sie war nach ihrem Besitzer benannt. Er kam durch einen Mord ums Leben. Seine Angehörigen verließen die Gegend und das Anwesen war dem Verfall preisgegeben. Nur die kleine Brücke auf der Straße nach Dittlofsroda ist übriggeblieben.

Am 19. April 1827 wurde in Waizenbach ein bayerisches Dekanat der evang.-luth. Kirche errichtet. 1890 wurde Lohr und 1928 Brückenau, Hammelburg und Marktheidenfeld eingegliedert.1929 wurde das Dekanat nach Lohr verlegt.

Die Zierde des Dorfes war das Wasserschloss. Davon sind noch gut erhalten: der polygone Treppenturm mit den Schneckentreppen und der ihn umschließende viereckige Innenhof. Die im Krieg zerbombten barocken Kuppeltürme wurden mit einem Flachdach versehen.

Die evang.luth. Schlosskirche wurde 1583 erbaut und am 5. April 1945 durch einen Bombenangriff völlig zerstört. Dabei brannten auch 4 Wohnhäuser und 16 Scheunen nieder. Zum Kriegsende war das Schloss mit Arbeitsdienstpflichtigen belegt.

1950 wurde anstelle des zerstörten Gotteshauses eine neue Kirche errichtet und eingeweiht. .
Der aus der alten Kirche gerettete Taufstein von 1583 sowie die Grabtafeln der Stifter befinden sich heute im neuen Chorraum.
1. Grabtafel: Regina Polyxena, Freiin von Jöstelberg, geb. zu Erlastegen bei Nürnberg 1679, gestorben in Waitzenbach 1731. Das Wappen ist umrahmt von acht Ahnenwappen. Am Sockel liest man die Inschrift: Jakob Faulstig, Statuarius, Hammelburgensis.
2. Grabtafel: Johann Wilhelm von Geismar, gestorben 1665.
3. Grabtafel: ist stark beschädigt. Dem Wappen zufolge ist es ein Epitaph eines Herrn von Geismar.
Die älteste Glocke mit Wappen der Thüngen stammt aus 1599. Die zweite aus 1735 trägt das Wappen der Truchsess und Jöstelberg.
Unter dem Altarraum befindet sich eine 1954 umgebettete Gruft, nachdem die alte Gruft inmitten der heutigen Ortsstraße lag und die alte Kirche mit Chorraum und Turm gegen Süden in die heutige Straße hineinragte. Auch das Schloss wurde renoviert, jedoch ohne die Zwiebeltürme. Die einzige erhaltene Zwiebelkuppel schmückt einen im Innenhof befindlichen Treppenturm.

Neueste Geschichte:
1952 Dorfkanalisation, 1956 Bau einer Wasserleitung, 1958 Ortsstraße und 1959 Kreisstraße geteert. 1958 Bau des Feuerwehrhauses mit Gefrieranlage.
 

Naturdenkmale:
Sechs Eichen in der Abteilung Kohlspitze, die Dorflinde (1829), drei Kastanienbäume am Schloss.
 

Baudenkmäler:
Ehemal. Amtshaus,  jetzt Schule, Bau von 1559, Portal Mitte 17. Jh.
Evang.-Luth. Pfarrkirche – Neubau mit historischer Ausstattung
Schloss  -  dreiflügelige Wasserschloßanlage von ca. 1270
 

Bedeutende Ausflugsziele: 
Schlossanlage Waizenbach
Freizeitanlage an den Waizenbacher Teichen

 

Quelle: 

Reinhold Schierle, 1960
Wilhelm Klein
Franz Warmuth

 

Ausführung zum Siegel der ehemaligen Gemeinde Waizenbach:

Artikel über die Ausführung zum Siegelexterner Link

 

Quelle:

Texte von Werner Eberth, Bad Kissingen, Kulturreferent des Landkreis Bad Kissingen

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