Windheim

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Name:
Windheim ist bei erstem geschichtlichen Auftreten als „Winden“ bezeichnet, wohl eine Slawensiedlung aus der Karolingerzeit – Karl der Große verpflanzte nämlich nicht nur unbotmäßige Sachsen, sondern auch widerspenstige Slawen oder Wenden – so mag wohl Windheim um 800 als eine wendische Zwangssiedlung entstanden sein. Zu der Zeit, als die Sachsensiedlungen „Sachsen“, jetzt Münchau und Schwärzelbach der Hammelburger Zent ihren Anfang nahmen.

 

Lage: 
216 m ü.d.M. an der Staatsstr. 2293 zwischen Wartmannsroth – Hammelburg. Der höchste Punkt ist der Tannenberg mit 366 m. Der Ort liegt am südöstlichen Rand der Gemarkung Wartmannsroth und wird durch den Klingenbach in zwei Teile getrennt.

 

Größe und Bodennutzung der Gemeindeflur:

Gesamtgemarkung – 460 ha, davon entfallen auf Ackerland 63 %,
Wiesen 20%,
Ödland 6,8 %,
Wald 2,4 %,
Wege und Gewässer 4,6 %,
Gebäude- und Hofflächen 0,9 %,
Gartenland 0,7 %.

 

Einwohner:
Am 01.08.1960 – 312 Einwohner, 306 katholische, 6 evangelische und 6 Flüchtlingsfamilien,
1998 – 327 Einwohner,
am 10.01.2001 – 321 Einwohner.

 

Wald:
Gesamtfläche 693 ha,
53 % Eichen,
12 % Buchen,
14 % Fichten,
14 % Kiefern,        
 6 % Lärchen.

Abteilungsnamen:
Rehgarten, Nüßlein, Vogelherd, Libelbach, Oberwald, Spornsgraben, Plätzerpfad, Ruh, Walbers, Baus, Koppelhut, Hegstange, Gabelsgrund, Tannenberg.

 

Geologisches:
Buntsandstein im Westteil der Gemarkung,
Rötheboden nach Norden,           
Tannenberg im Osten Kalkkuppe,
Steinbruch von mittlerer Ergiebigkeit.

 

Flurnamen:
Baus, Tannenrain, Eberling, Hellgraben, Kirkenwand, Schimmelstanne, Selesgewend, Schinhecke, Neuland, Süßergrund, Walbers, Schelm, Hegstange, Rötz, Alte Trieb, Schillersgraben, Kappenländer, Grübe, Wengert, Krautgarten, Haderwiesen.

 

Schulverhältnisse:
Die erste Schule stand gegenüber der Kirche, das Haus wurde 1858 eingerissen, die Grundmauern sind noch zu erkennen. Anschließend kam die Schule in das Schloß. Während des Abbruches wurde im Haus Nr. 57 (jetzt Mühlbachweg 2) Unterricht erteilt. Am  1. Oktober 1888 wurde ein neues Schulgebäude bezogen. Höchste Schülerzahl war etwas über 50 Kinder, niedrigste 23, Stand 1960 39 Schüler.
In dem Schulgebäude wurde bis zum 12.10.1998 unterrichtet, zuletzt die 6. Klasse des Schulverbandes Diebach unter ihrem Klassenlehrer Georg Stürzenberger.


Geschichte:
Um 1329 wird Winden unter dem Fuldaer Besitz derer vonThüngen aufgeführt. Die Thüngen waren es wohl auch, die hier eine Wasserburg erbauen ließen. Diese wird erstmals erwähnt in einem Fuldaer Lehenbrief vom 14. April 1447, nach welchem Dietz von Thüngen das Schloß „Winden“ für sich allein erhielt. Im 16. Jahrhundert hatte Windheim außer Pfarr-, Hirten-, Kirchnerhaus und Schenkstatt 42 Häuser, davon 12 Bauern- und 30 Söldnerhäuser.

„Item zu Windheim hat’s viel schöner Obstbäum im Feld und wann das gerät, gibt’s Obst genug ins Haus (Schloß)“.

Im Ort befanden sich noch eine Mühle, eine Ziegelhütte und ein Spital. 1658 hatte das Dorf nur noch 19 Hausgesessene. Im Jahre 1660 verkauften einige Fräulein v. Thüngen  –  die  „Windheimer Fräulein“ genannt, Windheim mit allem Drum und Dran an das Juliusspital in Würzburg, das heute noch den großen Wald hier besitzt. 1830 wurden 59 Häuser und 80 Familien gezählt.

Der furchtbarste Tag für die hiesige Bevölkerung war der 5. April 1945. Gegen 13 Uhr erschienen etwa 9 Jagdbomber und warfen ungezählte Bomben auf das friedliche, nichtsahnende Dörfchen ab. Zur gleichen Zeit schoß auch noch die Artillerie aus Richtung Gräfendorf auf das Dorf. Die Verheerung war furchtbar. 31 Personen wurden getötet, über 60 Stück Vieh kamen ums Leben, 13 Wohnhäuser und 21 Scheunen fielen dem Angriff zum Opfer. Noch heute trägt das Dorf Spuren dieses furchtbaren Ereignisses.

Auszug aus dem Lagerbuch, Ortsarchiv Windheim von 1853 über die

 

Größe der Besitztümer: 

Gesamte Steuergemeinde:
Äcker     1.029 Tagwerk  257 Dezimale
Wiesen     213       „       624      „
Wald      1.885       „       331      „
Ödungen     17       „       463      „
Summe  3.145       „       675      „

A: Das Juliusspital besitzt das Hofgut Eckartsbronn
    Äcker      224 Tagwerk/    98 Dezimale
    Wiesen      38       „       429       „
    Wald           1       „         68       „
    Ödungen    15       „         17       „
    Summe:   278       „       612       „

B: Dienstpfründe des Pfarrers, Lehrer, Förster:
    Äcker         3 Tagwerk   593 Dezimale
    Wiesen       6       „        641       „
    Summe:    10       „        234        „

C: Waldung des Forstwart in Windheim:
    Wald           1.841 Tagwerk         276 Dezimale  
    Waldödland                               228      „
    Summe:      1.841      „               504      „

D: Der Gesamtbesitz des Juliusspitals Würzburg:
    Äcker          227 Tagwerk    691 Dezimale
    Wiesen         45       „          70       „
    Wald        1.842       „         344      „
    Ödungen       15       „         245      „
    Summe:   2.130       „         350      " 

Besitz der Gemeinde Windheim:
Äcker         720       „            403   Dezimale Wiesen      155       „             267       „
Wald           42       „             987       „
Ödungen       1       „             583       „
Summe:    920       „             240       „

Zugang durch den jul.spitälischen Unterhof in den Privatbesitz:
Äcker          81 Tagwerk   163 Dezimale
Wiesen       13      „          287      „
Ödungen        --     „          635      „
Summe:      95      „            85      „


Windheimer Schloß:
Die Wasserburg wurde wahrscheinlich im 13. Jahrhundert erbaut, diente immer einer Linie der Thüngenschen Familie als Wohnsitz. 1615 brannten das Schloß, Schütthäuser, Scheuer, Walkhaus und einige Wohnhäuser ab. Die Burg entstand wieder, überdauerte gut den 30-jährigen Krieg und diente nach ihrem Übergang an das Juliusspital im Jahre 1660 einem Amtsvogte als Wohnsitz. Eine Notiz aus 1690 besagt: „Zum Schloß Windheim gehört erstlich das Schloß mit vier Türmen und ringsherum mit einem Wassergraben umfangen, der Vorhof, worin der Bauer und Schäfer wohnt, samt der Schafe und einer doppelten Scheuer, ein Wagenhaus dran, samt etlichen Viehställen. Ein Jägerhaus gehört zum Schloß und stößt an die Scheuer. Was im Schloß gebauet und gearbeitet wird, dazu müssen die Untertanen die Handreiche und Arbeit umsonst und um die Kost tun, auch Bau- und Brennholz hauen“.
Um 1770 erhielt der die Pfarrei versehende Klosterpater von Altstadt ein Zimmer in einem der vier Schloßtürme zur beständigen Wohnung angewiesen, welcher Turm infolgedessen den Namen „Mönchsturm" erhielt. 1811 wurde die Juliusspitälische Amtsvogtei mit der von Wolfsmünster vereinigt und somit wurde das Schloß von seinen bisherigen Bewohnern geräumt. Der Windheimer Pfarrkuratus erhielt nun einige leerstehende Räume als Wohnung. Auch die Schule fand darin ihre Unterkunft und verblieb dort bis 1881. Im Jahre 1882 sollte dem altersschwachen Bau die Sterbestunde schlagen. Er wurde abgebrochen und auf seinem Platz ein Wohnhaus für den Förster gebaut.

 

Kirche: 
1546 ließ Philipp von Thüngen die erste Windheimer Kirche erbauen. Damals scheint auch erstmals ein Pfarrer dahin gekommen zu sein und zwar der Konfession des Dorfes entsprechend, ein protestantischer. Da hier nun die einzige protestantische Kirche war, mußten die Gläubigen aus der ganzen Umgebung nach hierher zum Gottesdienst, sogar von Platz in der Rhön kamen die Leute, zeitweise auch ein Pastor von dort. Haken in der alten Kirchhofsmauer, die zum Anhängen der Pferde dienten, zeugen heute noch davon. Der Weg, den der Platzer Pastor durch den Wald einschlug, trägt heute noch die Bezeichnung „Plätzer Pfad“. Nachdem seit 1603 im Fuldaer Land die Gegenreformation eifrig betrieben wurde, mußte sich schließlich auch das ritterschaftliche Dorf Windheim der Religionswandlung fügen. Am 28. August 1628 wurde vom Abt Johann Bernhard der „Prüdikant zu Windheim“ abgeschafft und die Untertanen wieder in ihre alte Pfarrei nach Diebach gewiesen. Anstelle der alten Kirche ließ dann das Juliusspital 1765/ 66 einen prächtigen Neubau errichten, zu dem der berühmte Bildhauer Peter Wagner die Innenausstattung lieferte. Leider vernichtete ein Feuer den aus Wagners Händen stammenden Hochaltar. Dagegen zeugt heute noch die von ihm um 1770 geschnitzte kunstvolle Kanzel.
1811 wurde Windheim zur selbständigen Kuratie mit den Filialen Völkersleier, Heckmühle und Morlesau errichtet. Ein Teil von Morlesau war von der Familie Thüngen an das Juliusspital Würzburg gekommen.


Baudenkmäler:
Dorfkapellchen: Das beim Bombenangriff 1945 wie durch ein Wunder verschont gebliebene Kapellchen zeigt im Innern die 14 Nothelfer mit der strahlenumkränzten Madonna. In alten Zeiten soll sich hier einmal ein Amtsvogt des Schlosses während eines starken Gewitters unter einen Birnbaum gestellt haben. Ein Blitz schlug ein, der Bedrängte blieb jedoch verschont. Die lateinische Inschrift auf der steinernen Tafel - zeigt die Jahreszahl 1758 -  bezeugt dies.

Bildstock von 1609, Am Linsenberg, Fl.Nr. 695

- Friedhofskreuz von 1882, Kreuzwegstationen – 2. Hälfte 19.Jh.,
- Kapelle von 1884,
- Bildstock – 17./18. Jh., Kapelle v. 1884 Fl.Nr. 48
- Kreuzschlepper am Dorfplatz von 1751,
- Steinkreuz von 1663 an der Straße nach Schwärzelbach,
- Saalbau mit Turmfassade der kath. Kirche – 1765/ 66       (von  Johann Chr. Kleinholz),
- Reste der ehem. Friedhofsmauer,Windheimer Str. 14, Fl.Nr. 81
- Forsthaus von 1882, an Stelle des ehem. viertürmigen   Wasserschlosses, von diesem sind Teile der Mauer und der Schloßbrücke mit Nepomuk-Figur aus dem 18. Jhr. erhalten.
Zum Schloß 1, Fl.Nr. 60

 

Bodendenkmäler:
17 vorgeschichtliche Grabhügel in verschiedenen Waldabteilungen um Windheim.

 

Sagen:
Spuk im Windheimer Schloß,
Schimmelstanne und
grundloses Loch

 

Sitten und Bräuche:
Hemmen beim Hochzeitszug,
Stützen am Gemeindeaushängekasten bei Aufgebotseröffnung,
Spießen am Hochzeitsabend,
Neujahranwünschen der Dorfjugend,
Klappern in den Kartagen,
Turmblasen am 1. Mai,  jetzt über Windheim in der Flurabteilung "Eberling"


Quelle:

Alfred Vogt, 1960
Franz Wartmuth und andere

Texte von Werner Eberth, Bad Kissingen, Kulturreferent des Landkreis Bad Kissingen

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