Völkersleier

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Völkersleier, auch das Tor zur Rhön genannt, ist ein kleiner Ort, der durch seine Lage, wie fast jeder andere Ortsteil auch viele Leute anzieht, die es vorziehen in einer ruhigen, ländlichen Idylle zu Leben.

 

Einwohner:

427

 

Erstmalige urkundliche Erwähnung:

Völkersleier 1141 wurde "Volkersleuer" bei der Klostergründung in Thulba bestätigt

 

Name:
Der Ort hieß früher Wolfchersleyre. Man leitet dieses Wort gewöhnlich von dem Eigennamen Wulfger, Wolfgaer = Wolfsspeer und den bei Otfried schon erscheinenden gilari, galari = Wohnung, Gemach ab; es bedeutet also Wohnsitz des Wolfger. Nicht unmöglich wäre auch die Entstehung aus Wolfsgerichtsleyre d.h. Wohnsitz bei dem Wolfsgericht. Darunter versteht man eine Richtstatt zum Fangen der Wölfe, also Wolfsgruben

 

Lage des Dorfes:
Völkersleier liegt 500 Meter südlich der großen Waldfläche, die sich vom Spessart bis zur Rhön erstreckt. Die höchste Erhebung in der Nähe des Dorfes ist 417 m hoch. Das Dorf selbst liegt, durch einzelne Berge sehr eingeengt, an einem Berghang gelehnt in der Höhe 340 – 380 m ü.d.M. Am südlichen Ortseingang ist ein Dorfweiher angelegt.

Der Ort liegt an der KG 27 zwischen Wartmannsroth und Heiligkreuz (Richtung Bad Brückenau). Der nächste Autobahnanschluß Oberthulba der A7 Würzburg – Fulda befindet sich ca. 15 km entfernt

 

Einwohner: 
1938 – 450 Einwohner,
1948 – 700 Einwohner,
1960 – 400 Einwohner,
1998 – 483 Einwohner,
am 10.01.2001 – 466 Einwohner.

 

Heimatflur:
Gesamtfläche – 1517 ha, davon 873 ha Wald, 72 ha Gemeindewald; in den Waldbesitz teilen sich das Juliusspital, das adelige Damenstift Waizenbach, die Freiherrn von Thüngen und der bayerische Staat. Viel Nadelwald und Fichte herrscht vor. Seit 6 Jahren Zuckerrübenanbau, Hauptgewicht – Gerste.
Wildbestand: Hirsche, Rehe, wenig Wildschweine, Rebhühner und Hasen.

 

Gemeinnützige Bauten und Anlagen:
1949 Wasserleitung, 1951 Gemeinschaftsraum und Kindergarten, 1952 Kanalisation/ Dorfstraße/ Verbindungsstraße nach Wartmannsroth,              1953 – 1954 Bau von Wirtschaftswegen, 1955 neue Straße nach Heckmühle, 1959 – 1960   Übernahme der Dorfstraße durch den Landkreis, 1960 neue Dorfstraße.

 

Geschichtliches:
Der Nachfolger des Abtes Hunrius von Fulda, Baugulf, ließ nach  22jähriger Tätigkeit einen Nachfolger wählen, zog sich in die Einsamkeit zurück und baute sich um 802 -dort, wo heute Wolfsmünster steht, eine Zelle. Er verbrachte dort, ungefähr 815, mit einigen treuen Brüdern seinen Lebensabend. Nach dessen Tode verließen die Mönche das Klösterlein und kehrten nach Fulda zurück. Nach und nach siedelten sich um das Kloster weltliche Bewohner an. Der Ort hieß in ältester Zeit Baugulfsmünster, später Rolsmünster, dann Vogelsmünster oder Wolfsmünster. Der Ort blieb Eigentum des Klosters Fulda und wurde von ihm an die in der Gegend begüterten Grafen von Rieneck als Lehen gegeben. Wolfsmünster wurde sehr frühzeitig eine Pfarrei, über welche die Grafen von Rieneck das Patronatsrecht hatten. Dieser Pfarrsprengel umfaßte das ganze Saalegebiet von Gemünden bis Hammelburg und die Orte, welche auf der Hochebene rechts und links der Saale liegen.
Filialen von Wolfsmünster waren: Gräfendorf/ Waizenbach/ Dittlofsroda/ Heckmühle / Mühle Hurzfurt/ Seemühle/ Schloß Sodenberg/ Eidenbachhof/ Windheim/ Morlesau/ Ochsental/ Michelau/ Weickersgrüben/ Neumühle/ Schloß Homburg/ Roßmühle/ Schönau/ Aschenroth/ Neutzenbrunn und Schonderfeld. Ort und Pfarrei Wolfsmünster wurden 1550 mit allem Zugehörigen von den Herren von Rieneck an die Herren von Thüngen verkauft. Diese setzten nun allerorts protestantische Pfarrer ein. Mönch Kilian Wurfbein trat aus dem Kloster Bronnbach an der Tauber aus, wurde Protestant und wirkte 30 Jahre als Hauptpfarrer (1550-1580) in Wolfsmünster. Dittlofsroda und Weickersgrüben wurden 100 Jahre später an Kurmainz verpfändet. Aber schon 1624 besaß Dittlofsroda einen protestantischen Pfarrer, der die Orte Völkersleier, Windheim und Weickersgrüben zu versorgen hatte. Die Gegenreformation in den aufgeführten Orten setzte unter Julius Echter 1545 bis 1617 ein.

Völkersleier selbst entstand in der späteren Karolingerzeit, wird aber 1141 erstmals urkundlich erwähnt, als Papst Innozenz II. die Klostergründung der Benediktinerinnen bestätigte. Unter den Ortschaften die dem Kloster überlassen wurden, befand sich auch Völkersleier. Besitz der Herren von Thüngen ist urkundlich erstmals im Jahre 1320 bezeugt. Als die Brüder Andreas, Albert und Lutz (Söhne von Dietz I von Thüngen), „nämlich Völkersleier und die Heckmühle mit zugehörigem Wald zu Burglehen bei Ulrich Herrn von Hanau unablösbar gegen 60 Pfund erwarben“. Am 22. März 1439 erkaufte Karl II. von Thüngen den Besitz und die Rechte des Klosters Thulba. Abt Johann von Fulda genehmigte den Tausch.1455 bezog Siegmund von Thüngen den Zehnt des Stift’s-Hauses in Völkersleier. Am 12. Dezember 1516 trug Neidhard seinen Anteil u.a. an Völkersleier nebst  Zehnt und Schäferei bei den Markgrafen Casimir und Georg von Brandenburg zu Lehen auf.

Im Bauernkrieg zwang Fritz von Thüngen am 21. Juni 1525 seine Untertanen nach vollständiger Niederwerfung der Empörung „erneut Gehorsam zu loben, die Rädelsführer auszuliefern und die Waffen in eigener Fuhre auf den Sodenberg zu bringen“. 14 Völkersleirer und 13 Dittlofsröder Bauern unterschrieben diese Verpflichtung.

Zu Beginn des 14. Jahrhunderts waren die von Thüngen als Ministerialen in den Fürstendienst Fuldas getreten und hatten Völkersleier von Fulda zu Lehen erworben. 1577 wird ein Drittel des Ortes juliusspitälisch, das heißt, das Spital trat in den Besitz von einem Drittel aller Gerechtigkeiten, der Gerichtsbarkeit, Gebot, Verbot, hoher und niederer Jagd, des pius patronatus ohne Widerspruch in polocitis et eclesiasticis. 1603 wurde das Spital von den Thüngen als wahrer Grund- und Mitdorfherr anerkannt. Interessant ist hier, daß trotz thüngischer Herrschaft die Bevölkerung zum kleineren Teil protestantisch war. Da aber ein Herr von Thüngen im Dorf lebte, hatten sie meist das Übergewicht. Der Streit trat besonders bei der Bestattung der Toten zutage, die oft mit Waffengewalt erzwungen wurde. Die Thüngen gestatteten keine katholische Beerdigung auf ihrem Friedhof. Der Pfarrer aus Dittlofsroda wollte sich aber auch keine Leiche entgehen lassen. So mußten die Katholiken, um der Sepultur Genüge zu tun, ihre Toten mit List oder Gewalt nach Windheim bringen. Der Vogt von Windheim schritt öfters mit Waffengewalt ein. 1658 hatte Völkersleier noch 19 Nachbarn. Unter den vielen Querelen zwischen den beiden Ortsherren Juliusspital und Thüngen seien nur erwähnt: der Streit bei der Wahl eines Schullehrers (1681); der „Kampf“  um die Kirche (1709); Grenzstreitigkeiten von 1689 bis 1752 zwischen Wartmannsroth, Völkersleier und Schwärzelbach.


1762 wurde eine Synagoge erbaut.

 Das ehemalige Schloß – heute „Hofhaus“ genannt – war früher Besitz der Herren von  Thüngen. Es ist ein einfacher zweigeschossiger Barockbau aus dem 18. Jahrhundert. Die große Zehntscheune steht heute noch.

1810 wurde die der evangelischen Gemeinde gehörende Kirche simultanisiert, aber schon 1822 baupolizeilich geschlossen. Als 1811 die juliusspitälische Vogtei Windheim mit der von Wolfsmünster vereinigt wurde, erhob man Windheim zur eigenen Pfarrkuratie, Völkersleier von da ab Filiale dieser neuen Pfarrei. Später wurde es der von Fulda an Würzburg gekommenen Pfarrei Wartmannsroth zugeteilt. In Dittlofsroda befand sich schon vor dem Jahre 1624 ein protestantischer Geistlicher, der Völkersleier pastorierte.
Der evangelische Teil der Bevölkerung blieb bis heute Tochtergemeinde der Pfarrei Dittlofsroda, der katholische Teil Filiale von Wartmannsroth. Nachdem die Kirche geschlossen wurde, mußten die beiden Pfarrer ein ganzes Jahrhundert in der Schule Kirche abhalten. Bis 1754 besuchten die katholischen Kinder die evangelische Schule, bis 1811 mußten sie nach Windheim zum Unterricht. In diesem Jahr erhielt Völkersleier eine eigene katholische Schule. Ein altes Marienbild, das die Protestanten entfernt hatten, ist heute noch am Pfarrhaus in Wolfsmünster zu sehen.

Kath. Lehrer mit Dienstantritt zum 09. Mai 1845 war der in Karlstadt geborene Josef Michael Serg. 17 Jahre wirkte er in "dem entlegenen Vorrhöndörfchen". Schülerzahl bei Dienstantritt: 38 Werks- und 16 Sonntagsschüler.

 

Die Napoleonische Zeit warf die Zustände in Franken um. Im Frieden von Lune´ville (9.2.1801) war der Grundsatz ausgesprochen worden, daß die weltlichen Fürsten für ihre erlittenen Verluste durch Gebiete geistlicher Fürsten entschädigt werden.

Bayern, in der Sorge andere Staaten könnten ihm in der Besitzergreifung zuvorkommen, besetzte im September 1802 das Bistum Würzburg. Zu ihm rechnete man auch die in- und anliegenden reichsritterschaftlichen Gebiete. So wurde Ende Mai 1803 unter Beistand eines Exekutionskommandos in Völkersleier ein bayerisches Besitzergreifungspatent angeschlagen und im Juli ein solches auch an der Kirche. Die Juden wurden verpflichtet ihr Schutzgeld künftig nicht mehr an die Freiherren von Thüngen, sondern dem neuen kurbayerischen Beamten zu Windheim zu bezahlen. Die adeligen Gutsbesitzer wurden aufgefordert binnen acht Tage ein „geeignetes Huldigungseidesformblatt“ zu unterzeichnen, ansonsten ihnen „mit Sequestration ihrer gesamten Einkünfte“ gedroht wurde. Zwar verließen die Bayern Völkersleier für kurze Zeit, doch am 30.12.1805 mußten die Thüngen den Huldigungseid leisten. Durch einen Staatsvertrag zwischen den Großherzogtümern Frankfurt und Würzburg am 19.8.1808 gingen Dittlofsroda und Völkersleier an das Großherzogtum Würzburg über. Am 8.8.1820 gehörte nach Bestätigung durch die Regierung des Untermainkreises Völkersleier nebst Mittelmühle zum Gericht Zeitlofs. Das „statistisch-topographische Handbuch“ dieses Mainkreises weist für Völkersleier aus: 65 Wohnhäuser, 73 Familien, 505 Seelen hievon 56 Familien; 351 Seelen zum Gericht Zeitlofs zu 2/3 gehörig.

 

Naturschutz und Wanderziele:
1954 wurde das teilweise durch die Gemeindegemarkung laufende Schondratal zum Landschaftsschutzgebiet erhoben. Heckmühle ist beliebtes Wanderziel. Der Rhönklubzweigverein Schondrahöhe, Sitz Völkersleier betreut und markiert die Wanderwege.

 

Baudenkmäler:
Das „alte Hofhaus“ (ehemalige Schloß), Mansarddachbau des 18 Jhs. in der Fronstr. 1. (Fl.Nr. 84)

In einer Chronik wird bereits um 1616 ein Schloßgebäude auf hohem Sockel und zwei Fachwerkgeschossen erwähnt, das wohl im 30jährigen Krieg niedergegangen ist und durch den heutigen Bau ersetzt wurde. Die Bauzeit des Neubaues ist nicht bekannt. Das Schloß befand sich bis 1928 im Besitz der Familie von Thüngen.

Friedhofkreuz von 1826, aus rotem Sandstein, Sockel 115 x 104 x 94 cm. Stamm des Kreuzes (Fl.Nr. 170)
393 x 20 x 20 cm.

Evang. Kirche, Hausteinbau mit Fassadenturm von 1920 mit Böschungsmauer und Treppenaufgang.

Kath. Kirche, neuromanischer Bau von 1906 (Fl.Nr. 681/2)
Am Chorbogen Holzfigur St. Sebastian Höhe 0,60 m, erste Hälfte 16. Jh.

 

Quelle:

G. Riede, 1960

Franz Warmuth
 

Ausführung zum Siegel der ehemaligen Gemeinde Völkersleier/Heckmühle:

Artikel über die Ausführung zum Siegel

 

Quelle:

Texte von Werner Eberth, Bad Kissingen, Kulturreferent des Landkreis Bad Kissingen

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