Neuwirtshaus

Wappen_Schwaerzelbach_mit_Neuwirtshaus

1719 erhielt der Schwärzelbacher Stephel Bohlig die Genehmigung ein Haus mit Wirtschaftsbetrieb zu erbauen.

Geschichte:

(Quelle: Heinrich Ullrich in Frankenwarte, Blätter für Heimatkunde – Beilage zum Würz-
burger Generalanzeiger Nr. 18 – Würzburg 4. Mai 1932)

Neuwirtshaus ist die jüngste Dorfanlage des Hammelburger Bezirks. Sie verdankt ihr Dasein der Unternehmerslust des Schwärzelbacher Bürgers Stophel B o h l i g. Dieser vermutete mit Recht, dass eine Wirtschaft an der etwa 20 Minuten östlich seines Heimatortes vorbeiziehenden Straße Fulda – Hammelburg gute Erträgnisse abwerfen würde, da auf der 12 Kilometer langen Strecke Geiersnest – Untererthal keine einzige Gelegenheit geboten war, sich an Speise und Trank zu laben oder gar zu nächtigen.
Bohlig hat im Februar 1719 bei der Fuldaer Regierung um die Erlaubnis gebeten, an der Straße von Schwärzelbach ein Haus erbauen zu dürfen und daselbst einen Wirtschaftsbetrieb einzurichten. Am 4. März 1719 erhielt er die Genehmigung hierfür durch folgenden Erlaß: „Demnach zu Anlegung eines neuen Dorfes obig Schwärzelbach an der Straße und Waldung dem Stophel Bohlig die gnädigste Erlaubnis gegeben worden mit Auferbauung eines Hauses daselbsten den Anfang hierzu zu machen und zwar auf folgende mit ihm zuvor einig gewordene conditiones, dass er:
1. sich den zu Haus und Hofriet nötig habenden Platz von dem Amtskeller zumessen lassen und jeden Acker, weilen es böser Boden, mit 8 Gulden bezahlen, sodann auf jeden derselben ½ Gulden Hauszins nehmen solle und wolle, und dafern

2. bei Aufrichtung mehrer Gebäude daselbsten er auch eine Ortschaft, soviel ohn Eintrag anderer benachbarter Wirte zulässig, anstellen möchte, so solle er 50 Gulden für sotaner Gerechtigkeit absonderlich bezahlen und jährlich 8 Gulden Erbzins nebst den gewöhnlichen Accis und Umbgeld in die Kellerei entrichten, und

3. die vorhinigen dort gelegenen eigentümlichen Aecker und Wiesen dergestalten zu dem Haus wenden und consolidieren, dass sie davon nicht wieder separiert und davongezogen werden und im übrigen

4. schuldig sein, gleich den Schwärzelbachern davon zu leisten, auch Folge und Steuer zu tun wie Herkommens“.

Noch im selben Jahr begann Bohlig mit dem Bau des Hauses, wie die Jahreszahl über dem Kellereingang besagt. Aber noch lange dauerte es, bis er einen Nachbar hatte. Im Jahre 1764 wird gemeldet, dass „ein neugebautes Jägerhaus samt großen Stallungen, Wasch- und Backhaus beim sog. neuen Wirtshaus“ seinen Standpunkt habe. Es ist dies das Gebäude des ehemaligen Forstamtes Neuwirtshaus. Im Jahre 1832 hatte die Siedlung 9 Wohnhäuser, die von 13 Familien und 71 Seelen bewohnt wurden.

Bekannt wurde Neuwirtshaus durch das o.g. Jägerhaus und spätere Forstamtsgebäude. Nun einige Auszüge aus den Aufzeichnungen des sechsten Forstmeisters des Forstamtes, Herrn Oskar  L I N K.

Zu dem bereits erwähnten Bericht über das „neuerbaute Jägerhaus“ ist noch hinzuzufügen, dass es in seiner Bauweise und in seinem äußeren Gewande dem neuen Wirtshaus glich: es hatte jedoch in seiner SO-Ecke einen Altar, der erst nach ca. 100 Jahren entfernt wurde. Etwa um 1790 machten die Fuldaer Herren Neuwirtshaus und Geiersnest zu Wildmeistereien und holten zwei ihrer bewährten Jäger aus Mittelkalbach und Fürsteneck im fuldischen Gebiet dorthin. Nach Neuwirtshaus kam Franz Hillenbrand – etwa 1790 – zur Betreuung der dortigen Wälder. Er hat nach seiner Pensionierung von Thulba aus nachstehende Bescheinigung ausgestellt:

„Pro memoria. Dass ich endes Benannter, und mein Schwiegervater Bechtold den Kirchenstuhl hinten rechts am Eingang in die Kirche für unsere Kosten habe anfertigen lassen, nemlich die Schreiner- und Schmiedsarbeit getragen haben. Die Bretter aber zu den sämtlich Stühlen von der Herrschaft nemlich Eichstämmen gnädigst geschenkt worden. Mithin übertrage ich mein Recht zu diesem Kirchenstuhle einem jeden mir nachfolgenden zeitlich Förster zu Neuwirtshaus. Und dass deme also seihe: Dieses können noch wenig lebende alte Männer in der Gemeinde wissen.

Dieses bescheinigt hiemit

Thulba 19. Merz 1818     Der pensionierte Wildmeister
      gez. Franz Hillenbrand“

 


Dieses Forstamt, das Neuwirtshaus weit über die Landkreisgrenzen bekannt machte, wurde am 1. Mai 1969 nach Hammelburg verlegt. Das alte Jagdschlößchen der Fuldaer Bischöfe wurde am 07.09.1971, nachdem es über 200 Jahre hinweg seine Dienste getan hatte, an einen privaten Käufer abgetreten (Otto Buchner, Seewiese).

Neuwirtshaus hatte ehemals auch eine Landpolizeistation, die am 14. Mai 1962 aufgelöst wurde.

Die Schule Neuwirtshaus wurde im Jahre 1972 geschlossen, nachdem sie Jahrzehnte der Bildung und Erziehung der Jugend gedient hatte.


Kirchengeschichte: Schwärzelbach gehörte zu Beginn der Neuzeit als Filialort zur Pfarrei Diebach. Ein Visitationsbericht von 1656 besagt: „Am 1. Sept. wurden folgende Orte, die zur Pfarrei Diebach gehören, visitiert: Schwertzelbach, Wartmannsroth, Morsaw, Untereschenbach“.

Diebach, wo schon in der 1. Hälfte des 9. Jhd. eine Kirche bestand, war ursprünglich eine Filiale von Hammelburg. Wann es dann zu einer Pfarrei erhoben wurde, läßt sich wohl nicht mehr feststellen.
Viele offene Fragen für Schwärzelbach ergeben sich: Gehörte es vor Errichtung der Pfarrei Diebach kirchlich auch zu Hammelburg oder wurde es – wie Völkersleier – von Thulba her betreut und dann der neuerrichteten Pfarrei Diebach zugeordnet? Nach Gründung des Klosters Altstadt 1649 haben zeitweise auch Franziskaner in Schwärzelbach Seelsorge aushilfsweise übertragen bekommen, worauf die Antoniusverehrung und die Antoniusfigur in der Kirche   zurückgehen mag.
Schwärzelbach besaß mindestens seit 1515 eine eigene Kapelle. Über dem Eingang der Kapelle lasen Visitatoren vom Jahre 1763 folgende Inschrift: „Nikolaus Kekimal Haim, primus fundator hujus capellae, olim cellarius in Hammelburg, Anno Domini 1515 (Nikolaus Kekimal Haim, der erste Stifter dieser Kapelle, ehemals Kellermeister in Hammelburg, im Jahre des Herrn 1515). Cellarius bedeutet hier nicht irgend ein Kellermeister im heutigen Sinne, sondern es meint hier den „Keller“, den Inhaber des wichtigen fuldischen Kellereiamtes in Hammelburg. Wahrscheinlich war dieser Haim ein gebürtiger Schwärzelbacher, der für seinen Heimatort zum Wohltäter wurde. Auch heute ist der Name Heim in Schwärzelbach weit verbreitet.
Diese Kapelle stand am Ort der heutigen Kirche und mag ungefähr 12 Meter lang gewesen sein, nach den Fundamenten zu urteilen, die beim Graben der Heizungsschächte im Jahre 1972 gefunden wurden.

Inzwischen aber hatte sich die pfarrliche Zugehörigkeit gewandelt. 1737 war Wartmanns-  roth zur Pfarrei erhoben worden. Die Fassion der neuen Pfarrei wurde am 22. April 1742 vom Reichsfürsten und Abt des Klosters Fulda, Amandus von Buseck unterschrieben. Nunmehr gehörte Schwärzelbach als Filialort zur Pfarrei Wartmannsroth

Obwohl Filialort, hatte Schwärzelbach wegen seiner größeren Einwohnerzahl eine starke Stellung innerhalb der Pfarrei. Der Gottesdienst fand an Sonn- und Feiertagen abwechselnd in
Wartmannsroth oder in Schwärzelbach statt, wobei freilich Wartmannsroth das Vorrecht hatte, dass an Weihnachten, Ostern und Pfingsten der 1. Feiertag immer im Pfarrort gefeiert
wurde. Für den Bau eines neuen Pfarrhauses in Wartmannsroth in den Jahren 1814 - 1821
verrichteten beide Gemeinden die nötigen Dienstleistungen. In Bezug auf die Baulast am Pfarrhaus hatte Schwärzelbach den größeren Teil zu tragen ( 37/60).
Zahl der Gläubigen bei der Visitation 1763:

Verheiratete Männer und Witwer    76
Verheiratete Frauen und Witwen     88
Söhne                         115
Töchter                        136
Knechte                        18
Mägde                          33
I n s g e s a m t            466


Wie kam es nun zur Errichtung der Pfarrei Schwärzelbach? Der hochselige, zu Hammelburg im Jahre 1873 verstorbene Karl von Heß hat, da er einige Jahre in der Filiale Schwärzelbach als Gutsbesitzer wohnte, die Beschwerlichkeit der Pfarrei Wartmannsroth aus eigener Anschauung gekannt und deshalb bei seinem Ableben der Gemeinde Schwärzelbach 4000 Gulden testamentarisch vermacht zur Stiftung einer Kaplanei bei der Pfarrei Wartmannsroth.

Dieser Fond erhöhte sich durch Zinsen und milde Spenden (z.B. gab der Bonifaziusverein Paderborn im Jahre 1877 -  1000 Mark) bis zum Jahre 1878 - 9650 Mark.

Zunächst stellte die Filialgemeinde den Antrag an das bischöfliche Ordinariat, dass jeden Sonn- und Feiertag in Schwärzelbach eine hl. Mess gehalten werde. Die Auslagen dafür sollten aus obiger Stiftung genommen werden. Dieser Antrag wurde abgelehnt, um den Pfarrer von Wartmannsroth nicht noch mehr zu belasten (1877)

Die Kapelle wurde am 25. August 1629 visitiert. Das Protokoll nennt als Patron der Kapelle den hl. Mauritius: „Patronus titularis s. Mauritius“. Die Visitation vom 1. September 1656 berichtet auch von einer Renovierung der Kirche („Tectum et templum noviter renovatum est“): aber ungefähr 100 Jahre später urteilen die Visitatoren (1763): „ Sacellum miserrimun, humidum, tenebricosum, fractis fenestris et tecto non satis sarto instuctum“ („Ein Heiligtum in elendem Zustand, feucht, dunkel, mit zerbrochenen Fenstern und  einem nicht genügend gedeckten Dache“). Wegen dieses Zustandes und weil sicher auch die Kapelle für die Bewohner zu klein geworden war, bat die Gemeinde 1777 die Regierung Fulda, in Schwärzelbach eine neue Kirche zu bauen.

Die Antwort lautete:

„Auf die von der Gemeind zu Schwertzelbach dahier überreichte Bittschrift sub (Dato) praesentato Fuld in Reg. Ecceles. d.  31. Jenner 1777 in betreff des dasigen Neuen Kirchenbau

Resolutum

Daß so wohl in denen Hochfürstlichen Würzburgischen Landen als auch sonsten üblich und in denen Rechten ebenmäßig gegründet ist, daß in denenjenigen Ortschaften, wo Zehendherren die Zehende zu erheben haben und alta eine Kirch zu erbauen ist, welche nith im stand, aus ihren eigenen Mittlen solchenen Neuen Bau zu errichten, die Zehendherren gehalten sind, die nöthigen Beitrag hiezu leisten, also wird anmit der Gemeind zu Schwertzelbach die Weisung gemacht, den dasigen Kirchenbau Riß samt den Kostenertrag dem Collegiatstift Haug zu Würzburg als Mittzehendherrn zu Schwertzelbach vorzulegen und bey demselben nach Maß ihres Antheilzehndes auf den Beytrag anzusuchen.
Decr. Fuld. in Reg. essl. d. 17. Februar 1777“.

So darf man annehmen, daß der Kirchenbau von 1780, auf den das Patrozinium der alten Kapelle (St. Mauritius) übertragen wurde, vom geistlichen Territorialherrn in Fulda mit Unterstützung des Stiftes Haug in Würzburg finanziert wurde.

Nun richtete man unter Pfarrer Joseph Breitenbach an Würzburg die Bitte, für Schwärzelbach eine Lokalkaplanei zu erstellen. Die Voraussetzungen schienen gegeben, denn der am 
8. März 1879 verstorbene Stadtpfarrer von Ochsenfurt Peter Riegel, vermachte laut Testament vom 25. 1. 1872 sein ganzes Vermögen dem bischöftlichen Stuhl in Würzburg zum Zwecke der Gründung einer Kaplanei oder Lokalkaplanei bei der Pfarrei Thulba oder Wartmannsroth.
Der Bischof bestimmte für die Kaplanei Thulba 27 500 Mark. Der Rest von 17 691,05 Mark wurde zur Begründung eines Lokalkaplaneifonds für Schwärzelbach bereitgestellt. Dieser Betrag wurde 1880 mit dem bereits vorhandenen Fond des Herrn von Heß vereinigt. Das Kapital betrug 1880  -  28 444,61 Mark. Weitere Spenden kamen hinzu, so 1881/82 ein Betrag von 5000 Mark vom Ludwig-Missionsverein München. Im Jahre 1889 hatte der Fond die stattliche Höhe von 58000 Mark erreicht.

Am 9. März 1889 kamen die Gemeinde- und Kirchenverwaltung von Schwärzelbach zusammen, um über die Errichtung einer eigenen Pfarrei zu verhandeln. Doch erst 1893 konnte man den Plan in die Tat umsetzen. Bischof Franz Joseph v. Stein von Würzburg gewährte nämlich zur Errichtung eines Pfarrhauses in Schwärzelbach 23 000 Mark und für einen ständigen Baufond 1000 Mark. Die Summen entstammten einer Stiftung zur Errichtung neuer Pfarreien in armen Gemeinden des 1875 verstorbenen Bischofs von Würzburg Johann Valentin v. Reißmann.

So konnte im Herbst 1894 mit dem Pfarrhausbau begonnen werden, im Sommer 1896 wurde er vollendet. Das ganze Pfarrhaus kostete 26199,16 Mark. Schwierigkeiten bereitet die Ablösung der Verpflichtungen, die die Filialgemeinde gegenüber der Muttergemeinde hatte. Schließlich ergab sich eine Summe von 12 390 Mark, durch die die neue Pfarrei von allen Lasten gegenüber Wartmannsroth frei wurde.

Durch zwei Urkunden wurde die Errichtung der Pfarrei rechtlich vollzogen. Die Urkunde des Prinzregenten Luitpold von Bayern trägt das Datum vom 15. März 1901, die des Bischofs Ferdinand von Schlör wurde am 2. April 1901 unterzeichnet.

Das jährliche Einkommen des Pfarrers, das sich in erster Linie aus den Renten des ehemaligen Lokalkaplaneifonds (56 333,59 Mark) ergab, wurde in diesen Urkunden auf 2 322,33 Mark im Jahre veranschlagt.

Neben Pfarrer Breitenbach und Pfarrer Blum von Wartmannsroth gebührt vor allem Pfarrer Hepp der Dank, sich unermüdlich für die Errichtung der Pfarrei Schwärzelbach eingesetzt zu haben. Langwierige Verhandlungen mit den weltlichen und kirchlichen Behörden waren nötig. Pfarrer Hepp von Wartmannsroth, unter dem ja die Errichtung der Pfarrei vollzogen wurde, nennt die Gründe, die zur Abtrennung führten: Die Anzahl der Filialen von Wartmannsroth, der Umstand, daß zwei Gottesdienstorte vorhanden waren, was zu einem überaus häufigen Pfarrerwechsel führte (innerhalb von 10 Jahren 4 Pfarrer!); die zu kleinen Gotteshäuser und die dadurch hervorgerufene Unordnung, die schlimmen Wirkungen einer mangelhaften Pastoration, die sich aus den Matrikelbüchern erkennen ließen.

Pfarrer Hepp wechselte von Wartmannsroth nach Schwärzelbach über und wurde der erste Pfarrer des neuen Sprengels, den er von 1901 bis 1932 leitete. Er hat der Pfarrei für immer seinen Stempel aufgeprägt.


Die Schule stand ursprünglich neben der Kirche (Hausname Lermann). Ihre Gründung ist unbekannt. 1960 besaß die Gemeinde zwei einklassige, katholische Schulen. Eine im Altdorf, die andere in Neuwirtshaus. Diese wurden aber 1991 aufgelöst.

 

Denkmal:
Kreuzschlepper in Neuwirtshaus 1723
zweigeschossiges Fachwerkhaus mit Mansardwalmdach von 1800 in der Fuldaer Str. 13, ehem. fuldisches Jagdschloß u. Forsthaus, zweigeschossig, mit Mansarddach in Fuldaer Str. 3,
Steinkreuz aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhundert

 

Bräuche:
Einholen des Kirmesstraußes, Hemmen der Brautpaare, Trösteln bei Beerdigungen.

 

Quellen:
Werner Zehner
Günter Rinke
vom November 1960

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