Heiligkreuz

ist der kleinste Ortsteil der Gemeinde. Er liegt  inmitten des wunderschönen Schondratals und wird von der Schondra und dem Weißenbach durchflossen. Stand der Einwohner zur Zeit 79.


Name: 
Das 'heilig Creutze'...'Hie zwischen dem Wasser der Schondra gelegen' ist 1527 urkundlich erwähnt.

 

Lage:
Heiligkreuz liegt im Bereich der südlichen Ausläufer der Rhön in einem landschaftlich äußerst ansprechenden Bereich an der Straße Kreisstraße KG 27. Die nächste Autobahnauffahrt (Bad Brückenau/Wildflecken) liegt ca. 25 km entfernt an der A 7 Würzburg – Fulda. Der Ort liegt in einem Talkessel am Flüßchen Schondra. Der ältere Siedlungsbereich befindet sich von der Kirche an etwa 600 m im Weißenbachtal aufwärts.

 

Einwohner:
Im Jahre 1541 hatte Heiligkreuz etwa 80 Einwohner, 1880 – 221 Einwohner,
1983 – 114, 1998 – 97.
Zum 10.01.2001 hatte der Ort 93 Einwohner.

 

Gemeindemarkung:
Heiligkreuz hat eine Gemeindefläche von ca. 183 ha. Um das Dorf befinden sich beste Grundwiesen mit einem vollkommenen Bewässerungssystem. Auch einige Fischteiche wurden angelegt.

 

Geologisches:
Im gesamten Bereich der Gemarkung ist im Untergrund der mittlere Buntsandstein feststellbar. Die oberen Bodenschichten sind als brauchbare Ackerböden einzustufen, wobei sich jedoch schluffig lehmige Braunerden in den Vordergrund drängen. Teilweise sind auch Löslehmdeckungen und auch Übergänge zu sandigen Braunerden vorhanden.Vorwiegend im Bereich der forstwirtschaftlich genutzten Flächen sind Feinlehme mit inselartigen Ton- bzw. Sandbereichen anzutreffen.

 

Landschafts- und Naturschutz:
Heiligkreuz liegt im romantischen Teil des Schondratals.
Am 21.1.1955 wurde das Schondratal von der Papiermühle bei Gräfendorf bis zur B 27 unter Landschaftsschutz gestellt. Der „Naturpark Bayerische Rhön“ wurde 1967 gegründet, zu dessen Bereich auch das Schondratal bei Heiligkreuz gehört. Am 5.5.1969 ist die Land-schaftsschutzanordnung von 1955 in die Bezirksverordnung für den „Naturpark Bayerische Rhön“ übergeleitet worden. Das Schondratal und Weißenbachtal bleiben eingeschlossen.     
Einige Naturdenkmäler wurden bestimmt, darunter das Felsgebiet am Wilden Weibstein.

 

Kirche: 
Die Kirche ist kein klassisch-einheitliches, sondern bei wechselhaften klerikalen Verhältnissen entstandenes Bauwerk. Die Bauzeit ist mit 16. Jahrhundert und das Langhaus als Barock (1600 – 1750) angegeben. Die älteste der drei Glocken von 1510, der Taufstein von 1671 und die Kanzel stehen unter Denkmalschutz. Die eingebaute Empore aus behauenem Eichenholz trägt die Jahreszahl 1783, somit muß das Langhaus mindestens gleichalt oder älter sein.

Mönche des Klosters Schlüchtern sollen hier gesiedelt und die spätere Wallfahrskapelle errichtet haben. Die Kirche liegt zwischen den Randbergen des Weißenbachtals, und unterstand bis zum Jahr 1453 dem Abt des Klosters Schlüchtern und dieses dem Bistum Würzburg. Karl II von Thüngen war „bei all seiner kriegerischen Tüchtigkeit und Tätigkeit auch an den kirchlichen Interessen seiner Untertanen“ gelegen. Er beendete 1439 eine langjährige Fehde mit dem Bischof von Würzburg.

Heiligkreuz hatte sich zu einem nicht unbedeutenden Wallfahrtsort entwickelt, als es 1553 unter dem Patronat der Freiherrn von Thüngen evangelisch wurde. Erst lange nach dem Übertritt der Thüngen 1553 zum protestantischen Glauben erscheint in handgezeichneten Karten das „Lutherische Heilig Creutz“, der Ort wurde Tochterkirche von Dittlofsroda.

Es entstand 1565 die (protestantische) „Gräfendorfer Kirchenordnung“: „ Es hielt schwer, die Leute evangelisch zu machen“ sowie „ das Wallen und zum Kreuz gehen ... abzuschaffen“. Die „abgöttischen Bilder“, d.h. alles, was an den alten Glauben erinnerte, sollte man „hinwegtun“. Zur Überlieferung sei aus dem „Volkstümlichen Heimatbuch des Landkreises Brückenau“ da zitiert: „Der Bildstock des hl. Kreuzes, der früher ein germanisches Heiligtum verdrängt haben mag, ist mit dem alten Glauben gefallen und liegt jetzt im Wasser (der Schondra), gleich beim ersten Wehr“

Die im Dreißigjähren Krieg verwaiste Gemeinde Heiligkreuz wurde vom Geroder Pfarrer betreut. 1626 war „Fulda gewalttätig in die Mittelmühle eingefallen und hatte dort 46 Stück Vieh weggenommen „.
Heiligkreuz wurde 1745 Tochterkirche von Weißenbach und 1929 bis heute selbständige Tochtergemeinde von Weißenbach.

 

Schule:
In den Pfarrbüchern wird 1698 erstmals ein „Schuldiener“ erwähnt. 1813 befand sich dieses älteste „Schulhaus“ in einem „veralteten und verkommenen Zustand“.Die Gemeinde erwarb 1862 das zum Verkauf stehende Anwesen Nr. 15 zum Preis von 900 Gulden. Der Schulsaal nach der Kirche hin wurde 1882 angebaut. Mit dem Bau des neuen Schulhauses wurde 1962 begonnen und am 1.2.1964 eingeweiht. 1974 wurde die Schule im Rahmen der Neugestaltung des Unterrichtswesens aufgehoben.

 

Geschichte:
Am 7. Januar 777 schenkte Karl der Große das Königsgut Hammelburg, (diesem war Heiligkreuz zugeordnet) dem Kloster Fulda.

Die Schondra wird in diesem Jahr erstmals erwähnt. Ihr damaliger Name „scuntra“ ist keltischen Ursprungs. Die naturgegebene frühere Furt durch die Schondra in Heiligkreuz läßt darauf schließen, daß sie schon lange Zeiten zuvor von den friedlich und kriegerisch durchziehenden Kelten sowie vielen germanischen Stämmen benutzt worden ist.

Dann sollen Mönche des Klosters Schlüchtern hier gesiedelt und die spätere Wallfahrtskirche errichtet haben. König Heinrich IV hat 1059 dem Kloster Fulda einen ausgedehnten Wildbannbezirk zugewiesen, in den auch die Wälder um Heiligkreuz fielen. Insoweit war dann die Besiedlung dieses Gebietes unter den eingesessenen Adelsgeschlechtern von Grumbach, Steckelberg und Hutten eingeschränkt. Danach haben die Freiherrn von Thüngen 1358 in die Dynastie der von Steckelberg eingeheiratet und 1426 durch Erbteilung mit den von Hutten das Gebiet übernommen

1501 trugen die Thüngen vom Sodenberg ihren freieigenen Besitz an den Markgrafen zu Brandenburg zu Lehen. 1525 bemächtigten sich die Herren von Thüngen wieder der Klostergüter in ihren Orten.

Nach einer Urkunde aus dem 16. Jahrhundert waren 1541 in Heiligkreuz 8 Güter und eine Mühle. Im Jahre 1636 war der Besitz des Ortes noch in einen 2/3- und einen 1/3- Anteil zwischen den Thüngenschen Linien diesseits und jenseits der Schondra gespalten.

1692 waren in Heiligkreuz bereits wieder 15 Güter. Die Schondra war oft wechselnde Grenze zwischen den Besitztümern des Stifts Fulda, des Juliusspitals in Würzburg und lehenbedingt auch zwischen den verschiedenen Thüngenschen Linien. Insofern war Heiligkreuz stets ein durch die Schondra „gespaltenes“ Dorf.

Erst als die Zeitlofser Linie der Freiherren von Thüngen 1747 Alleinbesitzer der „inneren Cent“ wurde, blieb Heiligkreuz ungeteilt.
Die ständige Teilung von Heiligkreuz als Besitztumgsgrenzbereich – ursprünglich zwischen den Hutten und den Thüngen und später zwischen den Thüngenschen Familien - hat seine Entwicklung zur historischen Einheit erheblich gehemmt.
Der heute fragwürdige Verlauf der Gemarkungsgrenze mit dem Ortsteil Völkersleier, der damals zur äußeren Thüngischen Cent gehörte, ist historisch auf jene Verhältnisse zurückzuführen.

1814 kam Heiligkreuz zum Königreich Bayern. Danach wählte es seinen ersten freigemeindlichen „Ortsvorstand“. Der letzte Bürgermeister von Heiligkreuz war Artur Kühnreich. Er ist am 20. Dezember 1980 hier verstorben.

Häufige Hochwasser- und Brand-Katastrophen in Heiligkreuz bei oft schwersten Gewittern in dem Tälerkessel sind mit allgemeinen personenbezogenen Erinnerungen überliefert. Zur Zeit der Strohdächer und offenen Kamine sind die Häuser auch in Heiligkreuz häufig abgebrannt.
Katastrophal müssen die Verheerungen im Dreißigjährigen Krieg gewesen sein. Gefürchtet war allgemein auch der „Schwarze Tot“. Die zahlreichen Pestjahre dieser Gegend sind nachgewiesen.
1575 soll die Pest am schlimmsten gewütet haben.
1713 – 1720 hat die Pest letztmals Heiligkreuz heimgesucht.

Das Flüßchen Schondra wird 777 als „scuntra“ urkundlich erwähnt. Oberhalb vom Ort durchbricht sie seit dem diluvialen Eiszeitende vor etwa ½ Mio. Jahren ein mächtiges Felsgebiet. Dieser Buntsandstein hat sich vor rund 150 Mio. Jahren als unterste Schicht der Trias gebildet. An der Schondra und den Nebenbächen standen etwa 24 Mühlen, die infolge der industriellen Entwicklung fast ausnahmslos eingegangen sind.


Innerhalb des Waldgebiets waren die Ufer der Schondra zum Flößen des geschlagenen Holzes fast gänzlich mit großen Quadersteinen befestigt. Sogar 1912 sind noch „oft bis zu viertausend Ster“ bei Schneeschmelz auf der Schondra geflößt worden.
1810 haben die Thüngen die mittelalterliche Weide- und Wildwirtschaft im Walde eingestellt und mit einer geordneten Forstwirtschaft begonnen.

Um Heiligkreuz wurden an mehreren Stellen eigenartige Altglasreste gefunden, aus denen auf frühere Glasbereitung geschlossen wird.
1692 ist urkundlich nur die „glas Hütten am Hundtsgraben“ mit „gereuth darbey“ im Besitz von Thomas Munch nachgewiesen. Dort ist ein Seitental des Weißenbachs unmittelbar beim Ort. Die Pottasche für diese Glashütte war in der noch heute als „Mollehütte“ bezeichneten nahen Waldabteilung vorhanden.

 

Wald- und Flurnamen: 
Folgende Namen sind historisch und ursprünglich nachgewiesen:
Alt ruh, Alt weiß, Amlitz, Aspenschlag, Brennesselschlag, Bubenruh, Buch, Buchenklinge, Detgerer Weg, Diebseiche, Diefen Grüben, Dietlofsröder Weeg, Eichfeld, Fuchsbau, Gäulsplatte, Gebranntes, Geraths, Heubuch, Giebelsteyn, Glaß Hütten, Hanger Weeg, Hart, Heckbergk, Heisterrieth, Hengstrig, Heßen Graben, Heylig Weiß, Holzplatz, Hörner Graben, Hülstrift, Hundtsgraben, Kohlgraben, Kreuz, Kutscherweg, Lämmerhecke, Landtseufzig, Leyden, Maßholzschlag, Meisterweg, Meuerlesgraben, Meußdrieb, Mittelmühlbuch, Mollehütte, Müeß, Mulbergk, Rettewiese, Rotherbergk, Salzlack, Schelich Steyn, Schelchrain, Scheuerplatz, Scheuerwieß, Schieferts, Schmitzberk, Schnepfenbrunn, Schuntersteyn, Sinner Weeg, Sommerberg, Spieß, Strang, Streichwiese, Strut, Sülchen, Süße Ruh, Taubensee, Trillerloch, Velkersleyrer Weeg, Weihersgraben, Weinbrunsgraben, Wenckbrönn, Weißemich, Wildweibstein, Winkelgrund, Zeytlofser Weeg, Zellersgraben, Zimmerplatz, Zwitzgraben.
Viele dieser Flurnamen sind inzwischen verschwunden und wurden durch „amtliche Lagebezeichnungen“ ersetzt.

 

Sagen:
Um Heiligkreuz sind folgende Sagen und Legenden übermittelt: Gäulsplatte, Geigenpeterbrunnen, Giebelstein, Glasmühle, Kreuz im Hohen Holz, Mittelmühle, Schelchstein am Omerz, Trillerloch, Wilder Weibstein,

 

Bedeutende Ausflugsziele:
Schondratal
Sippachsgrund

 

Bau-, Kunstdenkmäler:
Die Evang.-Luth. Kirche – Saalbau mit Chor des 16. Jahrhundert
Haus Nr. 12  - Eingeschossiges Wohnstallhaus mit Fachwerkgiebel
Haus Nr. 14 - gestelztes eingeschossiges Fachwerkhaus mit Satteldach

 

Flurdenkmal:
Grenzstein: An der Feldmark von Heiligkreuz, 1 km Luftlinie von der Kirche und 4 km vom
Schloß Weißenbach befindet sich ein interessanter Grenzstein. Auf der Rückseite ist offenbar später wohl eine Feldmarknummer 12 eingemeißelt worden. Weitere solche Steine, stets ohne Jahreszahl und Nummer folgen in Richtung Weißenbach.


Quelle:
Albert Rebhan

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