Nähere Details zum Projekt mit Kartenmaterial und Erklärvideos finden Sie hier:

https://www.tennet.eu/de/unser-netz/onshore-projekte-deutschland/fulda-main-leitung/korridornetz/


P43 - Wechselstromstrasse

Tennet prüft Trassenverlauf durch Gemeindegebiet

Immer wieder ist in der Zeitung zu lesen, dass der Landkreis sich gegen einen Verlauf der Fulda-Main-Leitung (P43) wehrt. Da das Beteiligungsverfahren für die Öffentlichkeit fast ausschließlich digital im Internet durchgeführt wird, ist vielen von Ihnen das Ausmaß des Projektes wahrscheinlich nicht bewusst. Wir möchten an dieser Stelle darüber aufklären, dass mit der P43 nicht die erdverkabelte Stromleitung Suedlink, sondern eine weitere, oberirdische Wechselstromleitung gemeint ist. Der Kartenausschnitt auf unserem Titelbild (P44 Thüringer Strombrücke) zeigt die von Tennet geplante Trassenkorridorvariante durch unser Gemeindegebiet. Man folgt hier der bestehenden Gasleitungstrasse. Zusätzlich soll eine Leitung bei Waizenbach abzweigen und in Richtung Windheim weitergeführt werden. Hierfür sind Waldschneisen in einer Breite von ca. 70 m notwendig. Die Masten sind bis zu 65 m hoch und haben eine Spannweite von 30 m. Der Landkreis und seine Kommunen sowie viele Fachleute kritisieren das Projekt und stellen die Notwendigkeit der Leitung in Frage. In einer ersten Beteiligungsrunde war bis zum 08.01.2021 eine Stellungnahme zum Projekt einzureichen. Wir möchten Sie bitten Berichterstattungen über die P43 aufmerksam zu verfolgen uns sich ggf. an weiteren Beteiligungsverfahren auch mit Ihren Einwänden einzubringen.

Stromtrasse Titelbild 1


Stellungnahme der Gemeinde Wartmannsroth zur geplanten Fulda-Main-Leitung P43:

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Gemeinde Wartmannsroth stellt sich innerhalb des Landkreises Bad Kissingen schon seit Jahren ihrer Verantwortung, ihren Beitrag zum Gelingen der Energiewende zu leisten. Dies erfolgt insbesondere über den Ansatz regionaler Energieerzeugung in Biogasanlagen, sowie über Photovoltaikanlagen auf Frei- und Dachflächen. In der Gesamtbilanzierung gelingt es hier bereits den gesamten Strombedarf im Gemeindebereich aus regenerativen Quellen zu decken. Mit einer weiteren Freiflächenanlage in Völkersleier, die ab dem kommenden Jahr mit einem Stromspeicher in die Realisierung gehen, wird zudem ein Beitrag zur kontinuierlichen Strombereitstellung sowie Netzstabilität geleistet.

In einer Grundsatzentscheidung hat der hiesige Gemeinderat am 10.12.2020 beschlossen, insgesamt 40 Hektar des Gemeindegebiets für Freiflächenphotovoltaikanlagen zur Verfügung zu stellen. Hierbei ist die Wahrung eines attraktiven Orts- und Landschaftsbildes und die Gewährleistung einer Wertschöpfungskette vor Ort wichtig und wesentlich für uns. Daher dürfen diese Flächen nicht einsehbar sein und die Böden lediglich über eine geringe Bonität verfügen. Zudem wird die Gemeinde selbst weiterhin auf geeigneten Dachflächen zusätzliche Anlagen errichten.

Hinsichtlich des vorgestellten Korridornetzentwurfs muss allein schon zur Erhaltung unseres attraktiven Orts- und Landschaftsbildes festgestellt werden, dass wir eine mögliche Trassierung durch unseren Gemeindebereich ablehnen müssen. Hierdurch wäre auch jedwede touristische Entwicklung der letzten Jahre, die mit dem Brennerweg, der auch mit erheblichen Mitteln des Freistaats Bayern gefördert wurde, in Gang gesetzt wurde, zum Scheitern verurteilt.

Schon jetzt stellen wir im Zusammenhang mit den Netzausbauplänen bei der Nachfrage nach Bauplätzen im Gemeindebereich eine neue Zurückhaltung fest und es haben sich aufgrund der Trassenüberlegungen auch schon einige Verkäufe „zerschlagen“. Allein schon die Überlegungen zu einer Stromtrasse wirken sich also schon jetzt äußerst negativ für die Gemeindeentwicklung aus.

Grundlegend sehen wir die dargestellte Bündelungsoption entlang der im Gemeindebereich verlaufenden Erdgastrasse aus verschiedenen Gründen sehr kritisch, die hier nur kurz skizziert werden sollen:

- Die Forstwirtschaft ist ein wesentlicher Wirtschaftszweig in unserer Gemeinde. Bedingt durch die Planung als Freileitung wäre eine massive Waldrodung für die Schneisen von ca. 70 Meter erforderlich. Dies wäre ein erheblicher Eingriff in unser Landschaftsbild und in das Eigentum der jeweiligen Waldeigentümer, zu denen auch die Gemeinde gehört, und würde ggf. künftig eine wirtschaftlichen Waldbewirtschaftung in diesen Bereichen ausschließen. Hier würden dauerhaft Einnahmequellen entfallen, die sich sicherlich nicht über einmalige Entschädigungsleistungen kompensieren lassen. Davon abgesehen, dass wir aufgrund des Klimawandels und des dadurch erforderlichen Waldumbaus hier schon vor großen Herausforderungen stehen, um diesen wichtigen CO2 Speicher zu erhalten.

- In diesem Zusammenhang wäre natürlich auch die Jagd bzw. Jagdverpachtungsmöglichkeit deutlich beeinträchtigt. Schon jetzt ist es nicht so einfach engagierte Jagdpächter zu finden, die auch bereit sind einen angemessenen Pachtzins zu entrichten. Mit der bereits dargestellten Beeinträchtigung würde sich dieses Problem in den Bereichen Heiligkreuz, Völkersleier, Dittlofsroda und Waizenbach deutlich verschärfen und wiederum die erforderliche Waldpflege im Zusammenspiel mit einer adäquaten Bejagung erschweren.

- In Ihren Trassenkorridoren findet sich gleich eine Reihe von Schutzzonen, Schutzgebieten und Biotopen, in die hier massiv eingegriffen würde. Aus der Gemarkung Detter kommend führt die Trasse durch die Schutzzone des Naturparks Bayerische Rhön. Laut Naturparkverordnung gilt das Verbot, Veränderungen vorzunehmen „die geeignet sind, die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes zu vermindern, den Naturgenuss zu beeinträchtigen oder das Landschaftsbild zu verunstalten“. Teil dieser Schutzzone ist das besonders reizvolle und einzigartige Naturschutzgebiet "Unteres Schondratal", eines der letzten naturnahen, oligotrophen Bachtäler Unterfrankens mit landesweiter Bedeutung. Innerhalb des Schutzgebietes sind zudem verschiedenen FFH-Gebiete ausgewiesen, die laut Managementplan ebenfalls nach § 30 BNatSchG besonders geschützt sind.

Im Anschluss an diesen extrem sensiblen Landschaftsbereich verläuft der Trassenkorridor weiter in Richtung Südosten, wo sich verschiedene Rotmilan-Habitate finden. Hiervon sind die Bereiche Steinküppel bei Völkersleier, Kürles bei Dittlofsroda sowie der Bereich westlich von Windheim betroffen.

Des Weiteren finden sich verschiedene Biotope, deren Schutzbereich wir durch die geplante Stromleitung beeinträchtigt sehen, beispielsweise die „Waizenbacher Teiche“ oder der „Steinbruch Windheim“. Hinzu kommen zahlreiche Bereiche für die im Landschaftsplan der Gemeinde Wartmannsroth Maßnahmen zur Entwicklung von Natur und Landschaft festgesetzt sind.

Darüber hinaus möchten wir Ihnen gerne folgende Hinweise geben:

- Im Nachgang zum angesprochenen Grundsatzbeschluss des Gemeinderats haben uns weitere konkrete Anfragen zu Solar-Freiflächenanlagen erreicht.

Zwei mögliche Standorte liegen hier im Bereich des Korridors:

· Gemarkung Völkersleier im Bereich „Steinküppel“

· Gemarkung Waizenbach im Bereich „Matzenhag“

- Darüber hinaus plant die Gemeinde, wie bereits im digitalen Informationsgespräch am 08.12.2020 mitgeteilt, im o.g. Bereich „Steinknüppel“ die Errichtung eines Mobilfunkmastes.

- Lt. Flächennutzungsplan ist eine weitere Entwicklung von Dittlofsroda mit einem großen Baugebiet in Richtung „Kürles“ geplant. Mit einer möglichen Trassierung würde hier die erforderliche Entwicklungsmöglichkeit genommen, zumal mit einer hier realisierten Freileitung nicht die erforderlichen Abstände zu den Siedlungsbereichen Dittlofsroda und Waizenbach einzuhalten wären.

Abschließend möchten wir nicht unerwähnt lassen, dass aus unserer Sicht der Bedarf für eine weitere Wechselstromleitung mit Endpunkten in Grafenrheinfeld/Bergrheinfeld nicht nachgewiesen und auch nicht nachvollziehbar ist. Ein bedarfsgerechter Ausbau des Stromnetzes ist auch mit anderen netztechnischen Maßnahmen, wie der Erhöhung der Übertragungsleistung vorhandener Leitungen oder sonstigen Optimierungs- und Verstärkungsmaßnahmen am vorhandenen Netz erreichbar.

Im Sinne einer größtmöglichen Transparenz des Verfahrens wäre es auch wünschenswert (gewesen), die Corona-Situation abzuwarten, da hierdurch auf vielen Ebenen Kräfte gebunden sind, die für eine adäquate Behandlung der Fulda-Main-Leitung erforderlich wären. Gerade weniger Internet- oder Computeraffinen Bürgerinnen und Bürgern wird mit der bisherigen Vorgehensweise eine geeignete Information- und Beteiligungsmöglichkeit genommen, was wir daher bei einem so hochsensiblen Thema für höchst fragwürdig halten. Wir bitten deshalb auch darum den rein digitalen Informations- und Beteiligungsprozess insgesamt zu überdenken.

Mit freundlichen Grüßen

Florian Atzmüller

Erster Bürgermeister

zurück